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Einen Nachfolger für Ihr Inkassounternehmen finden

Wer einen Nachfolger für Ihr Inkassounternehmen finden will und weder in der Familie noch im Team fündig wird, sucht außerhalb des Unternehmens. Ein externer Nachfolger bringt Kapital und Führungserfahrung mit, kennt aber weder Ihre Auftraggeber noch Ihre Abläufe, und er muss die Anforderungen des Rechtsdienstleistungsgesetzes erfüllen oder eine Lösung dafür mitbringen. Dieser Beitrag zeigt Inhabern, wo sie suchen, wie sie Eignung prüfen, was die Registrierung verlangt und wie ein Nachfolger die Übernahme finanziert.

Von Robert HetschlZuletzt aktualisiert: 1. Oktober 2026

Eine ältere Hand schiebt eine Mappe mit bordeauxfarbenem Einband über einen Eichentisch zu den geöffneten Händen einer jüngeren Person

Wann kommt ein externer Nachfolger infrage?

Ein externer Nachfolger ist meist eine Führungskraft, die ein eigenes Unternehmen sucht: aus einem anderen Inkassounternehmen, aus dem Forderungsmanagement eines Gläubigers, aus einer Rechtsabteilung oder aus der Kreditwirtschaft. Übernimmt eine solche Person das Unternehmen, spricht man von einem Management-Buy-in.

Dieser Weg passt, wenn Sie Ihr Unternehmen als eigenständige Einheit erhalten möchten und eine Übergangszeit mittragen können. Neben einzelnen Personen kommen auch Unternehmen als Nachfolger infrage. Welche das sind und worauf sie achten, beschreibt die Seite zu den Käufern für Inkassounternehmen.

Wo finden Inhaber einen externen Nachfolger?

Es gibt mehrere Wege, und meist lohnt es sich, mehrere zu nutzen:

  • Unternehmensbörsen: Auf der bundesweiten Börse nexxt-change inserieren Sie kostenfrei und anonym. Sie ist eine gemeinsame Initiative von Bundeswirtschaftsministerium, KfW, DIHK, Zentralverband des Deutschen Handwerks sowie den Sparkassen- und Genossenschaftsverbänden.
  • Kammern: Die Industrie- und Handelskammern beraten zur Nachfolge und vermitteln Kontakte zu Übernahmeinteressierten.
  • Branchennetzwerk: Fachveranstaltungen, Verbandsarbeit, Anwendertreffen der Softwareanbieter und Dienstleister der Branche bringen Sie mit Führungskräften in Kontakt, die eine eigene Aufgabe suchen.
  • Berater: Ein auf Nachfolge spezialisierter Berater spricht geeignete Kandidaten gezielt und ohne Nennung Ihres Namens an.

Ein Inserat sollte so formuliert sein, dass Ihr Unternehmen nicht anhand der Kombination aus Region, Größe und Spezialisierung erkennbar ist. Legen Sie außerdem fest, wen die Suche nicht erreichen soll, etwa direkte Wettbewerber oder Auftraggeber.

Woran erkennen Sie einen geeigneten Nachfolger?

Ein guter Nachfolger für ein Inkassounternehmen bringt mehr mit als Kapital. Achten Sie auf fünf Punkte:

  • Fachliche Nähe: Erfahrung im Forderungsmanagement, in einer Rechtsabteilung oder in der Kreditwirtschaft verkürzt die Einarbeitung erheblich und ist oft schon ein Teil der Sachkunde.
  • Führungserfahrung: Der Nachfolger übernimmt ein Team, das bisher auf Sie ausgerichtet war.
  • Akzeptanz bei Auftraggebern: Ihre wichtigsten Auftraggeber müssen ihm vertrauen. Stellen Sie ihn vor, sobald die Entscheidung gefallen ist.
  • Tragfähige Finanzierung: Ein Kandidat ohne belastbares Finanzierungskonzept kostet Sie Monate.
  • Zuverlässigkeit: Für eine Registrierung verlangt das Bundesamt für Justiz unter anderem ein Führungszeugnis, eine Auskunft aus dem Gewerbezentralregister und eine Erklärung zu Insolvenzverfahren und Einträgen im Schuldnerverzeichnis (§ 13 RDG). Bitten Sie ernsthafte Kandidaten früh, diese Unterlagen vorzulegen.

Lassen Sie sich Zeit für mehrere Gespräche. Die fachliche Eignung zeigt sich schnell, die persönliche Passung oft erst im dritten oder vierten Treffen.

Was verlangt das Rechtsdienstleistungsgesetz vom Nachfolger?

Das hängt von der Rechtsform ab.

Übernahme der Anteile einer GmbH

Die Gesellschaft bleibt registriert. Sie braucht aber weiterhin mindestens eine qualifizierte Person: eine natürliche Person mit Sachkunde, die dauerhaft beschäftigt, in Fragen der Rechtsdienstleistung weisungsunabhängig und weisungsbefugt und zur Vertretung nach außen berechtigt ist (§ 12 Abs. 4 RDG). Das kann der Nachfolger selbst sein oder ein Mitarbeiter. Bleiben Sie bis zur Übergabe die einzige qualifizierte Person, läuft mit Ihrem Ausscheiden eine Frist von sechs Monaten für die Nachbesetzung.

Übernahme eines Einzelunternehmens

Eine Registrierung ist an die Person gebunden und geht nicht über. Führt der Nachfolger das Geschäft als Einzelunternehmer weiter, braucht er eine eigene Registrierung und muss die Sachkunde selbst nachweisen. Hat er sie nicht, kann er eine Gesellschaft gründen, die sich mit einer angestellten qualifizierten Person registrieren lässt und den Betrieb übernimmt. In beiden Fällen muss die Registrierung stehen, bevor der Nachfolger das Inkasso übernimmt.

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Vertrauliches Erstgespräch anfragen

Wie finanziert ein externer Nachfolger die Übernahme?

Nur wenige Nachfolger zahlen den Kaufpreis vollständig aus eigenen Mitteln. Üblich ist eine Kombination:

  • Eigenkapital: Banken erwarten einen Eigenanteil des Nachfolgers.
  • Förderkredit: Der ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge der KfW fördert die Übernahme eines Unternehmens und eine tätige Beteiligung daran. Beantragt wird er vor Beginn des Vorhabens über die Hausbank. Das Programm gibt es seit November 2024, und eine Bürgschaftsbank übernimmt darin gegenüber der Hausbank eine Garantie über 100 Prozent.
  • Bürgschaften: Fehlen Sicherheiten, können die Bürgschaftsbanken der Länder einen Teil des Bankrisikos übernehmen.
  • Verkäuferdarlehen: Sie stunden einen Teil des Kaufpreises und erhalten ihn über einige Jahre in Raten. Banken werten das als Zeichen Ihres Vertrauens, verlangen aber oft, dass Ihr Darlehen hinter ihren Krediten zurücksteht.
  • Erfolgsabhängiger Kaufpreisteil: Ein Teil des Preises hängt vom Geschäftsverlauf nach der Übergabe ab.
  • Finanzinvestor: Manche Nachfolger übernehmen gemeinsam mit einem Investor, der die Mehrheit hält und die Finanzierung trägt.

Welche Kombination passt, hängt von Ihrer Bereitschaft ab, Risiko zu tragen, und von der Bonität des Nachfolgers. Lassen Sie die Gestaltung von Steuerberater und Rechtsanwalt prüfen.

Wie gelingt der Übergang an einen externen Nachfolger?

Ein externer Nachfolger braucht eine begleitete Einarbeitung. Planen Sie eine Übergangszeit, in der Sie ihn bei Auftraggebern vorstellen, ihm Abläufe, Abrechnung und Eskalationswege zeigen und das Team an die neue Führung gewöhnen. Ihre Länge richtet sich danach, wie eng Ihre Auftraggeber an Sie persönlich gebunden sind.

Legen Sie vorher schriftlich fest, welche Rolle Sie in dieser Zeit haben, ob Sie qualifizierte Person bleiben und wann Ihre Rolle endet. Jeder Wechsel bei Geschäftsführung oder qualifizierter Person ist dem Bundesamt für Justiz mitzuteilen. Unklare Zuständigkeiten verunsichern Team und Auftraggeber mehr als ein klarer Schnitt.

Fallen Sie vor dem geplanten Termin aus, muss das Unternehmen trotzdem handlungsfähig bleiben. Was dafür vorher geregelt sein sollte, zeigt die Seite zur Vorsorge für den Notfall. Einen Überblick über alle Wege gibt der Bereich Nachfolge im Inkassounternehmen. Wenn Sie besprechen möchten, welcher Weg für Ihr Unternehmen realistisch ist, können Sie ein vertrauliches Erstgespräch anfragen.

Häufige Fragen

Quellen

Stand der Angaben: 1. Oktober 2026

Über den Autor

Robert Hetschl recherchiert für diesen Ratgeber zu Verkauf und Nachfolge von Inkassounternehmen. Er ist in der Recherche und Analyse von Unternehmenstransaktionen im Mittelstand tätig. Seine Beiträge stützen sich auf geltende Gesetze, Angaben von Behörden und Fachquellen, die im Quellenkasten genannt sind.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Wir recherchieren sorgfältig, übernehmen aber keine Gewähr für Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität. Vollständiger Hinweis

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